05.04.2017
Jetzt kommt der blaue Hund!

Unsere Freiwillige, Irem Nur Yildiz, hat den Alphabetisierungskurs unserer Freiwilligengruppe „Weltweit“ besucht und berichtet über singende Menschen und blaue Hunde.

 

Alphabetisierungskurs

Foto: Irem Nur Yildiz

Seit November 2016 bietet unsere Freiwilligengruppe „Weltweit“ einen Alphabetisierungskurs in der Flüchtlingskirche an. Ein neues Konzept hat sich hier bewährt: Es gibt verschiedene Gesten für jeden Buchstaben, sodass der Kurs zu einem Zeichensprachkurs wird. Die rund zehn Schülerinnen und Schüler sitzen gestikulierend an ihren Tischen und wiederholen lachend den Satz „Jetzt kommt der blaue Hund!“.

In einem weiteren Schritt fängt die Gruppe an zu singen. „Lernen mit Lieder ist sehr effizient“ sagt die Lehrerin. „Obwohl die Schüler keine grammatikalischen Regeln oder Worte kennen, können sie sich doch mit den Worten ausdrücken, die sie durch die Lieder auswendig gelernt haben.“ Der Lernprozess basiert auf Wiederholungen, Bildern und Liedern, die für eine unterhaltsame Atmosphäre sorgen und den Spaß am Lernen aufrechterhalten.

Es gibt nicht nur einen, sondern mehrere Lehrer im Unterrichtsraum, denn die individuelle Unterstützung ist ein wichtiges Element, da jeder Schüler im Raum ein unterschiedliches Sprachniveau hat.

Die Stimmung in der Klasse ist sehr freundlich. Lehrer und Schüler singen zusammen, haben kleine Gespräche zwischendurch und benutzen ihre einzigartige Sprache um zu kommunizieren. Ein 60-jähriger Schüler schreibt auf einem Blatt Papier immer wieder die selben einfachen Worte, genau wie wir alle es getan haben, als wir mit 7 Jahre schreiben lernten. Die Lehrer diskutieren potenzielle Probleme der Schüler auch in den Pausen mit einer bemerkenswerten Hingabe.

„Das größte Problem der Schüler ist, dass sie die Sprache im Alltag kaum praktizieren.“ sagt die Lehrerin. Geflüchtete haben oft keine deutschen Freunde zum Reden. Aus diesem Grund ist es so wichtig, Gelegenheiten zu haben, in denen Geflüchtete und Deutsche miteinander interagieren und kommunizieren können. Und auch wenn es nur eine Stunde in der Woche ist: einen Menschen und seine Kultur kennenzulernen ist ein Geschenk – auch wenn wir daran denken, was neue Freundschaften auch für uns bedeuten.

Der Besuch im Alphabetisierungskurs von „Weltweit“ hat mich beindruckt: Auf der einen Seite gibt es Menschen, die nicht nur eine völlig neue Sprache lernen müssen, sondern auch Lesen und Schreiben zum ersten Mal in ihrem Leben kernen. Und dann gibt es die vielen engagierten Ehrenamtlichen, die diese Menschen darin unterstützen. Und beide Seiten kommen hier zusammen und lernen auch gegenseitig.

Das macht mir große Hoffnung für ein gutes Zusammenleben!

 

Irem Nur Yildiz, Freiwillige bei Asyl in der Kirche Berlin e.V.
Im März 2017

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