05.04.2017
Pfarrerin Ute Gniewoß berichtet über die Situation der Flüchtlinge auf Lesbos: „Lesbos ist eine Falle geworden!“

2014 fuhr Pfarrerin Ute Gniewoß das erste Mal zur Initiative Lesvos Solidarity  (lesvossolidarity.org) auf die griechische Insel Lesbos, um dort die Arbeit der Freiwilligen im Camp Pikpa zu unterstützen. 2015 und 2016 folgten zwei weitere Reisen dorthin. Am 22. März 2017 berichtete die Pfarrerin der Heilig-Kreuz-Passion-Kirche in einer Abendveranstaltung von Asyl in der Kirche von ihren Eindrücken und Erlebnissen vor Ort.

Lesbos – eine mediterrane Insel in der Ägäis und eigentlich Kulisse für einen  perfekten Traumurlaub am Meer. Heute jedoch ist die Insel zum Symbol für das Versagen der Europäischen in einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik geworden. Bilder von brennenden Unterkünften aus dem staatlichen, hoffnungslos überfüllten Aufnahmelager Moria gingen 2016 um die Welt. Zwischenzeitlich lebten 4000-5000 Menschen auf engsten Raum beieinander. Pfarrerin Gniewoß berichtete von endlosen Menschenschlagen, die im strömenden Regen im Lager auf ihre Registrierung warteten. Aufgrund des EU-Türkei-Deals können die Menschen Lesbos nicht verlassen. „Lesbos ist eine Falle geworden!“, so Pfarrerin Gniewoß.

Die Initiative Lesvos Solidarity ermöglicht in Pikpa in dieser humanitären Notlage den Geflüchteten eine menschenwürdige Zuflucht. In freier Trägerschaft arbeiten dort duzende internationale Freiwillige zusammen. Sie alle verbindet die Solidarität mit den in Not leidenden Menschen. Statt tausenden Menschen in Massenunterkünften leben in Pikpa ungefähr hundert Geflüchtete. Diesen wird von Anfang an ermöglicht, für sich selbst zu kochen. Ein Tagesprogramm strukturiert den Alltag. Es gibt einen Kindergarten und Sprachunterricht. Die Initiative wird allein durch Spenden finanziert. 2016 wurde der Initiative der Nansen-Flüchtlingspreis der Vereinten Nationen verliehen.

Was können wir hier in Berlin tun? Pfarrerin Gniewoß zögerte nicht lange und riet den Anwesenden, auf Lesbos Urlaub zu machen oder selbst Freiwilliger oder Freiwillige in Pikpa zu werden. Der Tourismus sei um 70-90% eingebrochen, einige Bewohner der Insel beginnen, mit den vermeintlich einfachen Lösungen rechtspopulistischer Parteien zu sympathisieren. Wem eine Reise nach Lesbos zu aufwendig ist, kann auch durch Spenden die Arbeit von Lesvos Solidarity unterstützen. Pfarrerin Gniewoß fährt jedenfalls auch in diesem Jahr wieder nach Lesbos, um die Arbeit der Freiwilligen in Pikpa zu unterstützen.

 


Bericht: Moritz Kulenkampff, Praktikant bei Asyl in der Kirche und der Flüchtlingskirche

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