Mobile Beratung

 

Mobile Flüchtlingsunterstützung

Andrea Schmidt: Bericht über die ersten Monate

 

Seit dem 1. März 2014 gibt es die „Mobile Flüchtlingsunterstützung“ als ein Kooperationsprojekt von Asyl in der Kirche Berlin e.V. mit dem Diakonischen Werk Stadtmitte und der EKBO. Im Rahmen einer halben und zunächst bis Ende August befristeten Stelle führe ich diese Arbeit aus.

Die „Mobile Flüchtlingsunterstützung“  ist eine Kombination aus beratender Tätigkeit und Ansätzen der aufsuchenden Sozialen Arbeit.  Zu den Adressat_innen gehören Menschen mit prekärer Aufenthaltssituation: Menschen ohne Papiere, im Asylverfahren, mit Duldung,  von Abschiebung bedroht und Menschen im Kirchenasyl bzw. in kirchlicher Unterbringung. Je nach Situation der Flüchtlinge wechseln die Aufgabenbereiche.

Eine bedeutende Zielgruppe ist ein Teil der Flüchtlinge vom Oranienplatz. Seit Anfang März habe ich Nora Brezger vom Flüchtlingsrat bei der Versorgung (Geld, Tickets) der 38 Personen unterstützt, die schon seit November letzten Jahres in Marienfelde untergebracht waren und Kontakte aufrechterhalten mit Menschen, die in Italien waren und ihre Aufenthaltspapiere neu beantragt haben.

Momentan arbeite ich mit drei Kolleginnen des vom Diakonischen Werk Anfang April eingestellten Beraterinnenteams in Marienfelde, wo ca. 60 der Geflüchteten vom Oranienplatz wohnen. Zum größten Teil gehören sie zu der Gruppe, die einen humanitären Aufenthalt in Italien hat („Lampedusas“), aber dort aufgrund von Armut, Wohnungs-, Arbeits- und Perspektivlosigkeit nicht mehr leben kann. Unsere Tätigkeiten in den ersten Wochen waren vor allem:

Kennenlernen der Menschen, uns einen Überblick über ihre Situation und Bedarfe verschaffen, über Angeboten  Struktur des Übergangswohnheims Marienfelde informieren, Informationen geben zu Registrierungen, Geldauszahlungen, TBC-Untersuchungen, Informationen zum Oranienplatz-Agreement und dessen bisheriger und geplanter Umsetzung, gemeinsame Kritik daran, Erklären unserer Aufgabe und Rolle, Begleitung zu Ärzt_innen.

Unsere Ziele für die Klient_innen:

Unterstützung im Aufenthaltsverfahren, Anbindung an medizinische und psychosoziale Versorgung, Suchen nach Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Unterstützung dabei, die (wenigen) Zusagen des Oranienplatz-Agreements und Perspektiven, die darüber hinausgehen, wahrzunehmen.

Problematisch im Moment ist, dass das Oranienplatz-Agreement und das Papier der Ausländerbehörde keine verlässlichen Aussagen über die Bearbeitung der Anträge machen und deshalb noch keine Anträge gestellt wurden. Das bedeutet auch, dass die Flüchtlinge noch nicht an Versorgung durch das LAGESO angebunden sind, also der Zugang für Personen, die keinen europäischen Krankenversicherungsschutz haben zu medizinischer und therapeutischer Versorgung  stark eingeschränkt ist, weshalb besonders schutzbedürftige und traumatisierte Flüchtlinge nicht die notwendigen Behandlungen erhalten.

Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Begleitung und Unterstützung von Menschen im Kirchenasyl bzw. in kirchlicher Unterbringung. Dabei stehe ich Gemeinden als Ansprechpartnerin zur Verfügung und unterstütze die Kommunikation zwischen Verein, Gemeinden, Rechtsanwält_innen und Schutzsuchenden. Momentan beschäftige ich mich hauptsächlich mit zwei  Fällen: Herr N. Und Frau T. Ich bemühe mich, regelmäßige Gespräche mit ihnen zu führen, um zu entlasten  und Bedarfe herauszuarbeiten und  mich mit Ansprechpartner_innen in den jeweiligen Gemeinde zu beraten.

Ein wichtiger Rückhalt ist für mich das Team von Asyl in der Kirche und vor allem die Beratungsstelle in der Heilig-Kreuz-Kirche.

Bemerkenswert ist schon jetzt: Durch die Gespräche mit Flüchtlingen und in Gemeinden werden selbsttragende Beziehungen angestoßen und unterstützt. Die Erfahrungen aus diesen Gesprächen fließen auch in die politische Weiterarbeit am Flüchtlingsthema ein. Diese positive Entwicklung sollte unbedingt fortgesetzt werden.

 

Mai 2014