07.08.2015
Unhaltbare Zustände für geflüchtete Menschen in Berlin

Asyl in der Kirche Berlin e.V. ist angesichts der derzeit vorherrschenden Zustände für Geflüchtete in Berlin erschüttert.
In unsere Beratungsstelle kommen täglich verzweifelte Menschen, deren grundlegende Versorgung in Berlin nicht gewährleistet ist. Neu Ankommende verharren tagelang vor der Zentralen Asylaufnahmestelle in der Turmstraße, um überhaupt vorsprechen zu können. In dieser Zeit sind sie – soweit sie nicht über persönliche Kontakte in der Stadt verfügen, die sie unterstützen – gezwungen, vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) zu nächtigen. Besonders Familien mit Kindern leiden sehr unter dieser Situation. Die derzeitigen Temperaturen verschlimmern die Lage zusätzlich. Die Versorgung dieser Menschen erfolgt derzeit nur notdürftig und vielfach über Ehrenamtliche – dies ist unhaltbar und für eine Stadt wie Berlin unerträglich.
 
Der Flüchtlingsrat Berlin hat bereits am 28.07.2015 in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister deutlich gemacht, dass Flüchtlinge Hostelgutscheine durch das LAGeSo erhalten, aber kein Hostel finden, das sie aufnimmt.
 
Die wenigen kirchlichen Beratungsstellen für Flüchtlinge, zu denen auch diejenige von Asyl in der Kirche Berlin e.V. gehört, stehen dem Problem verweigerter Notunterkünft
e für Flüchtlinge in Berlin und deren Versorgung mit Grundnahrungsmitteln hilflos gegenüber.
Auch in unserer Beratungsstelle melden sich täglich Betroffene und Unterstützer_innen, die – trotz eines Gutscheins – verzweifelt nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen. Hostels sind durch die Ferienzeit bereits belegt oder sind nicht mehr bereit, Geflüchtete aufzunehmen, weil das Land Berlin mit der Bezahlung der Rechnungen nicht hinterherkommt. Im Resultat bedeutet dies, dass diese Menschen derzeit auf der Straße leben.
 
Asyl in der Kirche Berlin e.V. fordert den Regierenden Bürgermeister von Berlin, den Senat und das Landesamt für Gesundheit und Soziales auf, die menschenunwürdigen Verhältnisse zu beenden und für alle Betroffenen eine hinreichende Versorgung und Unterbringung zu gewährleisten.
 
Pfarrerin Heike Steller-Gül
Vorsitzende von Asyl in der Kirche Berlin e.V.
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